MARK KNOPFLER : COLOGNE 2019

 

Disc One (68:07)

  1. Why Aye Man
  2. Corned Beef City
  3. Sailing To Philadelphia
  4. Once Upon A Time In The West
  5. Romeo And Juliet
  6. My Bacon Roll
  7. Matchstick Man
  8. Done With Bonaparte

Disc Two (61:02)

  1. Heart Full Of Holes
  2. She’s Gone/Your Latest Trick
  3. Postcards From Paraguay
  4. Silvertown Blues
  5. Speedway At Nazareth
  6. Money For Nothing
  7. Brothers in Arms
  8. Going home

Label : MarkKnopfler.com

Venue : Lanxess Arena, Cologne, Germany

Recording Date : May 13th, 2019

Quality : Soundboard recording (A+)

Concert Review (Kölner Stadt Unzeiger) : Wir sind einfach nur dankbar. Wie nahezu alle in der ausverkauften Halle. In Ehren ergraut, dankbar und ein wenig ergriffen, weil es wirklich das letzte Mal gewesen sein könnte. Nicht dass Mark Knopfler damit kokettieren würde. Nein. Im August wird der Dire-Straits-Gitarrist 70. Das ist für einen Rock-Musiker im Prinzip noch ein frisches Alter, aber allzu oft hat Knopfler nach der Veröffentlichung seines zehnten Soloalbums „Down the Road Whereever“ im November 2018 betont, dass ihm das alles zu viel und er die Zahl seiner Auftritte im Ausland runterfahren wird. Oder gar ganz aufhören. Ein Typ wie Mark Knopfler kokettiert nicht. Das hat er nicht getan, als er die Band 1995 endgültig auflöste, weil ihm alles zu laut, zu teuer und groß geworden war und es nicht mehr um die Musik gegangen sei. Und deshalb sind wir einfach nur dankbar, weil er auf seiner wohl letzten Tour sehr spartanisch mit den Songs seines neuen Albums umgeht, aber eben doch kein reines Best-of-Set aus Dire Straits-Songs spielt.Das kann man auch nicht verlangen, selbst wenn die übergroße Mehrheit in der Halle sich das wünschen würde. All die verlorenen Seelen, die schon am Ende der 1970er Jahre so dankbar waren, als das erste Dire Straits-Album erschien und ihnen zwischen Punk und Disco – was gleichermaßen die Hölle bloß mit zwei verschiedenen Eingängen war – eine musikalische Heimat gab. Das Gitarrenspiel Knopflers, das diese unvergleichliche Melancholie erzeugt, welch eine Wohltat, welch eine Gelassenheit, welch eine Ruhe. Knopfler, der Meister des Fingerpicking. Nichts daran hat sich geändert. Hinzu kommt die angenehme Erscheinung, dass seine Live-Band im Vergleich zu letzten Welttournee vor fast exakt vier Jahren auf elf Musiker angewachsen ist, darunter der Perkussionist Danny Cummings, der Saxofonist Nigel Hitchock, der Trompeter Tom Walshund und die beiden Folies Mike McGoldric und John McCusker, letztere mit Geigen, Flöten und keltischen Blasinstrumenten, die einem von 2015 noch in Erinnerung geblieben sind. Zwischen den Songs sucht Knopfler den Kontakt mit seinem sehr aufmerksamen Publikum. Manchmal wirkt das so unaufgeregt, dass man ihm, wie er in blauem Hemd und schwarzer Jeans mehr über die Bühne schleicht als geht, zu viel Routine und fehlenden Enthusiasmus unterstellen möchte. Aber so ist er halt. Völlig uneitel, in sich selbst ruhend, verbindlich. Einer, der seine Geschichten eher erzählt als dass er sie zu singen imstande wäre. „It’s a long time ago.“ So begrüßt Knopfler sein Publikum. Ja. Das ist wirklich verdammt lang her. „Aber ich liebe die Musik so sehr.“ Fast entschuldigend klingt das, weil er immer noch da ist und den zweiten Song seines neuen Albums mit einer langen Erzählung einleitet. Der „Matchstick Man“ ist eine Geschichte „über mich, einen jungen Idioten“, der Weihnachten quer durch das United Kingdom trampt, im dichten Schneetreiben, um einfach nur nach Hause zu kommen. Wenn wir uns etwas hätten wünschen dürfen, an diesem Abend in der Lanxess-Arena, dann noch einmal mit ihm über die „Telegraph Road“ zu fahren. Jener Song, der die Geschichte einer Straße in einer Detroit erzählt. Auf „Money for Nothing“ hätte er dafür verzichten können, einem der größten Hits der Dire Straits, der in dieser Atmosphäre aber irgendwie wie ein Fremdkörper wirkt. Allein deshalb, weil die Fahrt auf der Telegraph Road mindestens eine Viertelstunde gedauert hätte. So endet der Abend mit dem Instrumentalstück „The Ceilidh and the Northern Lights“. Ein würdiges Ende. Das hoffentlich doch kein endgültiges ist, weil Mark Knopfler das Touren zu anstrengend geworden ist. Und falls es doch so kommen sollte, dann, ja dann müssen wir einfach nur dankbar sein.

Concert Review (General-Anzeiger) : Weltstar Mark Knopfler trat am Montagabend in der Kölner Lanxess Arena vor 14.000 Zuschauern auf. Der Gitarrist und Sänger streute dabei immer wieder auch Songs aus den Dire-Straits-Zeiten ein. Es sollte die letzte große Tour sein, das wusste jeder, der in die Lanxess Arena kam. Er selbst sprach nicht davon. Ein Zeichen dafür, dass er seinen Entschluss geändert hat? Nicht wirklich. Als er 1995 einen Schlussstrich unter das gigantische Rockprojekt „Dire Straits“ gesetzt hatte, war es seine Entscheidung – die anderen hätten gerne weitergemacht. Mark Knopfler war zur Rockstar-Ikone mit neonfarbenem Stirnband aufgebläht worden. Alles war ihm zu groß, er wollte Soloprojekte machen. Neun sind es in 23 Jahren geworden. Alles überschaubar, genau seine Kragenweite. Ein Abschied, der wehmütig macht. Vielleicht war es eines seiner besten Konzerte in diesem Jahr. Oder ist es Sentimentalität? Als er die braune Gibson Les Paul unter Strom setzt, perlen die satten, weichen und anschmiegsamen Gitarrentöne durch die Arena. Man lehnt sich zurück, seine 10köpfige Multiinstrumentalisten-Band begleitet ihn bei einer Zeitreise durch 40 Jahre höchster Produktivität. Es wird gefiedelt, Saxophon- und Trompeten-Soli untermalen seinen einmaligen Gitarrensound, am Ende überlässt man ihm allein die große Bühne. Immer wieder streut Mark Knopfler Songs aus den Dire-Straits-Zeiten ein. „Once Upon a Time in the West“ oder „Romeo and Juliet“, das er über zehn Minuten ausspielt. Er weiß um die Wirkung und die Energie, die er beim Zuhörer freisetzt. Es ist ein Teil seines Lebens und ein Teil des Lebens seiner Fans. „Musik hat etwas Tiefgründiges und Unendliches“, sie verknüpft das vergangene und das zukünftige Leben miteinander. Nach fünf Stücken nimmt er auf einem Hocker Platz. Ein guter Zeitpunkt, um eine Geschichte zu erzählen. Er weiß, wie man Stories erzählt, z.B. „Matchstick Man“ vom neuen Album „Down The Road Wherever“. Der war 800 Kilometer getrampt, um das Weihnachtsfest 1974 zu feiern. Ein LKW-Fahrer nahm ihn mit. Bei einem Kreisverkehr musste der Fahrer abbiegen und ließ ihn aussteigen. Überall lag Schnee, ein blauer Himmel erstrahlte, aber kein Auto und kein Lkw weit und breit. „Noch nicht einmal ein Hase war zu sehen. Du Idiot, aber das ist mein Leben.“ Die Geschichte ist vorbei, er verlässt den Hocker und kommt zum großen Finale. Bei „Postcards from Paraguay“ jubeln die Trompeten und das Saxofon, als wäre man bei Galexico gelandet. Mit „Speedway at Nazareth“ zieht er noch einmal alle Register seines Könnens. Die Band gibt ihm ein großes Finale, das er mit einem fulminanten Solo beendet. Niemand hält es mehr auf den Sitzen. Alle stürmen nach vorne. In der Zugabe eine Rückblende in die Zeit die neunziger Jahre: Ein kräftiges „Money for Nothing“, ein elegisch ausgespieltes „Brothers in Arms“ und „Going Home“ von seinem Film-Soundtrack „Local Hero“. Mark Knopflers Ideenreichtum reicht für viele weitere Songs, seine Gitarrenarbeit ist noch besser geworden. Gibt es nicht einen anderen introvertierten Gitarristen, Eric Clapton, der wieder die großen Bühnen sucht. Und Bob Dylan? Auch er wird seine „Never-Ending-Tour“ weiterführen. Vielleicht kommt auch Mark Knopfler zurück…